Opernsänger sagt Bayreuth wegen Nazi-Tattoos ab
AFP - 22.07.2012, 10:32 | Fir d'lescht aktualiséiert: 25.07.2012, 00:03

Nur vier Tage vor seiner geplanten Premiere bei den Bayreuther Festspielen hat der russische Opernsänger Jewgeni Nikitin wegen Tattoos mit Nazi-Symbolen seinen Auftritt abgesagt. Nikitin, der in Bayreuth die Titelrolle des "Fliegenden Holländers" singen sollte, nannte die Tattoos aus seiner Jugendzeit am Samstag in einer Erklärung einen "großen Fehler". Nikitin hat unter anderem ein teils verdecktes Hakenkreuz-Tattoo auf seiner Brust.
Die Tätowierung war in der ZDF-Kultursendung "Aspekte" am Freitagabend zu sehen gewesen. Über das Nazi-Symbol hat Nikitin sich eine andere bunte Tätowierung stechen lassen. Der Bassbariton ist auch begeisterter Heavy-Metal-Musiker und trägt am ganzen Körper Tattoos. Die bei ZDF-"Aspekte" ausgestrahlten Bilder zeigen ihn mit nacktem Oberkörper beim Schlagzeugspielen - dabei ist das Hakenkreuz-Tattoo deutlich zu erkennen. Zu sehen ist zudem eine Rune, die auch - aber nicht ausschließlich - von Neonazis verwendet wird.
In dem Beitrag wird das Hakenkreuz-Tattoo nicht explizit erwähnt. Auf seine Tätowierungen angesprochen sagt Nikitin in der Sendung, in der Jugend mache jeder "gute, verrückte Sachen". "Alle meine Freunde hatten Tattoos, es gehörte einfach zu unserer Underground-Kultur, denn Rockmusik ohne Tattoos ist ehrlich gesagt einfach nicht seriös."
Am Samstag erklärte der 38-Jährige dann, die Tattoos seien "ein großer Fehler in meinem Leben und ich wünsche mir, dass ich es niemals getan hätte". In einer auf der Webseite der Bayreuther Festspiele veröffentlichten Mitteilung erklärte der Sänger weiter, ihm sei die "Tragweite der Irritationen und Verletzungen" nicht bewusst gewesen, "die diese Zeichen und Symbole besonders in Bayreuth und im Kontext der Festspielgeschichte auslösen".
Der "Bild am Sonntag" sagte Nikitin, ihm sei bewusst, dass die in Nazi-Deutschland verübten Verbrechen "zu den schrecklichsten Verbrechen gehören, die je verübt wurden". "Es war mir nicht klar, dass die Symbole, die ich als Tattoos trage, in Zusammenhang gebracht oder sogar von Nazis oder Neonazis benutzt werden können."
Er habe sich die Tattoos in den Jahren 1989, 1990 und 1991 in Russland stechen lassen, und sie "in Büchern über nordische Mythen und aus Tattoo-Shop-Katalogen ausgesucht." Die Zeichen hätten für ihn "überhaupt keine politische, sondern nur eine spirituelle Bedeutung. Ich war nie Teil einer politischen Partei und bin es auch heute nicht."
Die Festspielleitung erklärte, "die künstlerische Beschädigung der Inszenierung selbst nach Einarbeitung eines Ersatzes" sei "immens". Die Entscheidung Nikitins, die Rolle zurückzugeben, stehe aber "im Einklang mit der konsequent ablehnenden Haltung der Festspielleitung gegenüber jeder Form nationalsozialistischen Gedankenguts". Festspielchefin Katharina Wagner sagte der "Bild am Sonntag", sie sei "sehr betroffen und bestürzt" über den Vorfall.
Nikitin hätte laut Spielplan am kommenden Mittwoch zum Auftakt der diesjährigen Bayreuther Festspiele und dann noch fünf Mal den "Fliegenden Holländer" singen sollen. Es wären seine ersten Auftritte in Bayreuth gewesen.
Das ausschließlich Richard Wagner gewidmete Festival in Bayreuth war in der NS-Zeit eng mit den damaligen Nazi-Größen verbandelt. Wagner, der sich immer wieder antisemitisch geäußert hatte, war der Lieblingskomponist Adolf Hitlers.
